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Who made my scarf?

Who made my scarf?

«Namaste», grüsst es aus einer lachenden Frauenrunde in der kleinen Produktionshalle in Kathmandu. Ich falte meine Hände und erwidere den Gruss. Die Frauen sitzen im Kreis an ihren Spinnrädern. Mit Anupama spaziere ich durch die ganze Schal-Produktion. Anupama ist unsere Ansprechpartnerin für die ganze Produktion, sie ist eine taffe Business-Lady und gleichzeitig eine herzensgute Freundin.

In verschiedenen Karton-Kisten türmt sich neu eingetroffene Rohware. Kaschmir-, Woll- und Leinengarne kommen in grossen Ballen an. Ich schaue Bim zu, wie er gerade eine neue Farbe anmischt und mit ein paar wenigen Fäden immer wieder die richtige Farbzusammensetzung testet. Ist er zufrieden mit seinem Ergebnis, werden die Garne in einem grossen Kessel gefärbt. Zu zweit tunken die Frauen die Garne in den Kessel und nehmen sich dabei genügend Zeit, damit die Garne einheitlich eingefärbt sind. «Die Farben sind AZO-frei», erklärt mir Anupama. Für einige Zeit trocknen die Garne draussen in der Sonne, bevor sie auf kleine Spulen gesponnen werden. Danach werden die Fäden auf den Kettbaum gespannt – bis zu 1800 Fäden nebeneinander. Die Trommel mit den eingespannten Fäden wird abgenommen und von den Frauen mit viel Sorgfalt in den Webstuhl eingespannt. Ich schaue zu, wie eine erfahrene Weberin einer jungen Frau die Arbeit zeigt und ihr erklärt, worauf geachtet werden muss, damit nachher beim Weben keine Fehler passieren. In mehreren Tagen produzieren die Weberinnen dann rund zehn Schals aus einem Kettfadenbaum. Alles geschieht hier noch von Hand und ohne Einsatz von Strom. Die Frauen singen oft dabei oder erzählen sich gegenseitig Geschichten. Sind die Schals fertig, werden sie vom Webstuhl gelöst und auf Fehler untersucht.

Schals mit einem Print bringen die Weberinnen in die Siebdruckabteilung. Dort wird jeder Schal einzeln aufgespannt und mit einem Siebdruckrahmen sorgfältig bedruckt. Die Prints sind von Nadine Sakotic, Salome Bally und Mirjam Kretz in der Schweiz designt worden – unsere drei Designerinnen erarbeiten wundervolle Muster, teilweise von Hand gezeichnet. Nach dem Druck wird in der Qualitätskontrolle jeder Schal einzeln auf Fehler untersucht. Kleine Unebenheiten und gerissene Fäden werden geflickt und anschliessend werden die Enden des Schals mit Knoten oder Fransen verarbeitet. Jeder Schal wird von Hand einige Minuten geknetet, so werden sie besonders weich. Danach wird gebügelt, unser Label eingenäht und die Schals werden verpackt und zu uns in die Schweiz geschickt.

Ich bedanke mich bei Anupama für die Führung. Die Frauen sitzen gerade in der Sonne in der Nachmittagspause. Die meisten kommen aus schwierigen Verhältnissen, haben Gewalt und Missbrauch erlebt. Im Frauenhaus der Organisation haben sie wieder zu Lebenswillen und Stärke gefunden und die meisten fangen an, in der Schalproduktion zu arbeiten. Hier gibt es eine gute Ausbildung, faire Arbeitszeiten und Löhne und eigentlich fühlt es sich ganz an wie eine grosse Familie. Die Frauen wechseln ihre Arbeiten ab und holen ihre Kinder nach getaner Arbeit von der Schule ab. Feste werden gemeinsam gefeiert und jede ist ein bisschen stolz, selbständig und unabhängig zu sein. Darum arbeiten wir hier mit ihnen, für das Women Empowerment und für all die sozialen Projekte der Frauenorganisation, die mit jedem verkauften Schal unterstützt werden: Frauen- und Kinderhäuser, Mikrokredite, Weiterbildung für Frauen in den Dörfen, psychologischen und Rechtsbeistand, eine gewaltfreie Schule sowie Einsätze bei Katastrophen vor Ort.

Carmen Lama, Gründerin und Co-Leiterin TGIFW

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